Wissenswertes - Über (Bio-)Baumwolle

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Als wir damit begonnen, Informationen über unsere Rohwaren zusammenzutragen, ist uns richtig die Spucke weggeblieben. Wir waren wirklich schockiert. Als normaler Verbraucher denkt man sich: „Hey, heute gehe ich mal shoppen und gönne mir was Schönes.“ Man kauft dann hier und dort Klamotten ein und freut sich über die neuen Errungenschaften. „Geiz ist geil“ ist dabei immer noch weit verbreitet. Aber was man mit der Unterstützung konventioneller Baumwollproduktionen anrichtet, ist kaum jemandem bewusst.

 

Natürlich kann man nicht alles wissen. Aber da es unsere Erde ist und wir gemeinsam die Verantwortung für sie tragen, haben wir ein paar Infos für euch zusammengestellt. Bildet euch bitte selbst eine Meinung und entscheidet danach, welche Dinge ihr zukünftig konsumieren und unterstützen möchtet. Der Artikel basiert auf Fakten aus den unten aufgeführten Quellen und ist nicht dazu gedacht jemanden aufzubringen. Es geht vielmehr um eine Bewusstseinserweiterung im persönlichen Konsum.

 

 

Probleme konventioneller Baumwoll-Produktionen

Wasserverbrauch und zerstörte Böden

Baumwolle ist eine durstige Pflanze – Daher werden immense Wassermengen für die Bewässerung der Baumwollplantagen benötigt. Etwa 50% der der weltweiten Baumwollproduktion erfolgt dabei auf künstlich bewässerten Flächen, von denen wiederum ca. 95% durch ineffiziente Oberflächenbewässerung bewirtschaftet werden. (1)  

 

Von wie viel Wasser sprechen wir hier? Je nach Quelle und betrachteten Ländern sind die Angaben unterschiedlich.

Laut einer Studie von Textile Exchange: „The Life Cycle Assessment of Organic Cotton Fiber“ werden im konventionellen Anbau 2.120 Liter Wasser benötigt, um ein Kilo Baumwolle anzubauen. Das sind über 440 Liter für ein T-Shirt! Andere Quellen wie wwf.de oder umweltinstitut.org werden sprechen von 11.000 Liter pro kg (2) und mehr als zehn Badewannen Süßwasser für ein einziges T-Shirt.  (3) Schätzungen zufolge wird für die Kultivierung von Baumwolle ungefähr so viel Wasser verbraucht wird wie in allen privaten Haushalten der Erde zusammen. (4)

 

Woher stammt das Wasser? Meist wird es über Tiefbohrungen aus dem Erdreich entnommen oder man bedient sich der Umleitung, Anzapfung oder Stauung von Flüssen. Am Beispiel des Aralsees sind die Folgen der künstlichen Bewässerung deutlich erkennbar: Ehemals bekannt als viertgrößtes Binnenmeer der Welt (knapp 68.000 km²) sind von dem See heute nur noch ca. 21.000 km² übrig - 70% sind durch die intensive Bewässerungslandwirtschaft in der Region ausgetrocknet. Weitere Folgen der künstlichen Bewässerung sind die Versalzung und Erosion der Böden und die Senkung des Grundwasserspiegels, wodurch viele Menschen nicht mehr mit ausreichend Trinkwasser versorgt werden. (5)

 

 

Pestizide

Der konventionelle Anbau setzt auf den Einsatz giftiger Pestizide - Baumwolle gehört zu den Pflanzen, die am stärksten mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der konventionelle Baumwollanbau für fast 25% der weltweit verfügbaren Menge von Insektiziden und 10% der Pestizide verantwortlich. In nur einer Saison werden Baumwollfelder zwischen 14-30 Mal mit Giften bespritzt. (6) Für ein T-Shirt werden ca. 51g giftige Pestizide und chemische Düngemittel genutzt (das Shirt selbst wiegt nur ca. 140g). (7) 

 

Die Folgen:

•   Ein großer Teil der Chemie landet in den Böden, den umliegenden Gewässern, im Grund- und Trinkwasser und gelangt über Flüsse bis in die Meere.

•   Tiere, Menschen und Pflanzen erkranken an den Folgen der Gifte.

 

 

Unmenschliche Arbeitsbedingungen & Kinderarbeit

Baumwolle wird weltweit in rund 80 Ländern angebaut, wobei laut Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit die größten Produzenten Indien, China, die USA, Brasilien und die Länder Subsahara-Afrikas sind. Der Baumwollanbau ist in vielen Entwicklungsländern die wichtigste Einnahme für Millionen von Menschen.

 

 

Auf diese Menschen wird beim Einsatz von Chemikalien allerdings keine Rücksicht genommen. Pestizide werden aus Gründen von Armut und Unwissenheit per Hand, ohne Handschuhe und Atemmasken, verteilt. Chemikalien werden von Flugzeugen abgeworfen, während die Menschen auf den Feldern arbeiten. Als Folge werden schwerwiegende gesundheitliche Schäden und Vergiftungen davongetragen. Einen Arzt können die meisten durch viel zu niedrige Löhne nicht bezahlen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Arbeiters beträgt ca. 40 Jahre. (8)

 

Kinderarbeit

Kinder werden einerseits aufgrund von Armut, anderseits aufgrund ihrer Größe und Geschicklichkeit z.B. beim Pflücken im Baumwollanbau eingesetzt. Neben der harten Arbeit schaden die Pestizide ihren noch nicht ausgewachsenen Organen. Frauen und Mädchen müssen oft die schwersten Arbeiten übernehmen. Auch Zwangsarbeit ist ein häufiges Problem.

 

 

Gentechnik

Ca. 40% des Anbaus erfolgt heute mit genetisch manipuliertem Saatgut. Diese Pflanzen sollen sich mit einem Gift gegen Schädlinge behaupten. Leider wird für den Anbau dreimal so viel Wasser benötigt wie für herkömmliche Pflanzen und auch der Einsatz von Pestiziden wird durch eine starke Anfälligkeit gegenüber anderen Fressfeinden eher erhöht statt gesenkt. Die genetisch manipulierte Ware wird von Pharmakonzernen teuer an die Bauern verkauft, ohne dass diese Saatgut daraus nachzüchten können. 75% der Farmer sind mittlerweile hoch verschuldet. (9)

 

 

So, das darf man erstmal sacken lassen.

 

 

 

Wieso Bio-Baumwolle?

Kommen wir nun zum lösungsorientierten Teil – Was kann man gegen diesen Wahnsinn tun? Und welche Vorteile bringt nun Bio-Baumwolle?

 

•   Nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus ist der Einsatz von chemischen Pestiziden streng verboten, ebenso wie die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen. 

 

•   Bio-Baumwolle verbraucht 91% weniger Grundwasser als genmanipulierte Pflanzen. (10) Natürlich brauchen die Pflanzen auch weiterhin Wasser, aber sie benötigen wesentlich weniger als beim konventionellen Anbau. Zur Bewässerung von Bio-Feldern wird zudem häufig Regenwasser aufgefangen und verwendet. (11)

 

•   Der Boden wird geschont. Durch die im Bio-Anbau übliche Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen) und das Düngen mit Mist und Kompost (Erhöhung des den Humusanteils der Erde) können die Böden mehr Wasser speichern.

 

•  Anstelle von Pestiziden wird die Baumwolle im Wechsel mit anderen Kulturen angebaut, was Schädlingen vorbeugt. Die Baumwollpflanzen werden mit Pflanzen wie Sonnenblumen kombiniert, welche für Schädlinge attraktiver sind. Der Verzicht auf synthetische Pestizide ermöglicht weiterhin, dass die natürlichen Feinde der Baumwollschädlinge überleben und so bei der Bekämpfung helfen. (11)

 

•   Laut BMZ sind ca. 75% der Baumwoll-Produzenten Kleinbauern. Die Bio-Baumwollproduktion unterstützt diese durch bessere Preise und Löhne (s.u., anerkannte Gütezeichen). Zudem können sie ihr Saatgut aus den Bio-Pflanzen gewinnen, was ihnen enorme Kosten erspart. Dies ermöglicht den Kindern auch eine normale Schulbildung, was Kinderarbeit entgegenwirkt.

 

 

Was kann ich persönlich tun?

Vielleicht überdenkst du deine nächste Shoppingtour nun noch einmal und möchtest auf Bio-Baumwollprodukte zurückgreifen. Andererseits ist der Begriff „Bio“ heutzutage auch verwirrend und hat auch Misstrauen hervorgebracht. Woher kann man nun wissen, ob etwas tatsächlich gut und fair hergestellt wurde (in der Textilbranche gibt es weit über 100 verschiedene mehr oder weniger seriöse Labels...?!)?

 

Wenn du Bio-Baumwoll-Produkte kaufen möchtest, bist du mit GOTS-zertifizierten Produkten auf der sicheren Seite. Es handelt sich um die strengsten Bio-Richtlinien für die gesamte Textilkette (nähere Infos hier) und die Zertifizierung schließt neben Umweltkriterien auch soziale Kriterien mit ein.

 

Achtung - „Bio“ bedeutet nicht gleichzeitig „fair“! Achte beim Kauf auf Zeichen von Fairtrade oder der Fair wear Foundation.

 

 

 

Erfreuliches zum Schluss

Vielleicht geht uns Menschen gaaaaanz langsam ein Licht auf und wir erkennen, dass es nicht besonders intelligent ist, unseren eigenen Lebensraum zu zerstören. 2018 stieg die weltweite Bio-Baumwollproduktion um 10% an; der Anteil von Bio-Baumwolle an der weltweiten Produktion liegt jedoch bei unter einem Prozent. (12) Da der Trend glücklicherweise zur Nachhaltigkeit geht, bleibt zu hoffen, dass auch Konsumenten mit ihren Kaufentscheidungen dazu beitragen werden, dass die Zahl weiterhin steigt. Wir waren erfreut zu lesen, dass heute immer mehr Händler auf Bio-Baumwolle setzen - Darunter Unternehmen wie C&A, Tchibo, H&M, Aldi und Ikea. (13)

 

 

Nachhaltigkeit bei Chau Tatau

Aufgrund der ernüchternden Infos zum Thema konventionelle Baumwollproduktion achten wir darauf, dass unsere Rohwaren höchste Standards einhalten. Weiterhin verwenden wir nur vegane, umweltfreundliche Siebdruckfarbe. Mehr Infos dazu findest du hier.

 

Es ist an der Zeit, die Augen zu öffnen und über unseren normalen Konsum-Horizont hinauszuschauen. Wir haben nur eine Erde. Und jeder von uns trägt Verantwortung.

 

 

 

 

 

Weiterführende Empfehlungen, Links und Quellen

Weiterführende Infos

•   Galileo „Der Weg des T-Shirts“: https://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/der-weg-des-t-shirts-clip

•   Doku (englisch) über die Fabrikation von Shirts, „PEOPLE: Planet Money Makes A T-Shirt“: https://www.youtube.com/watch?v=-6T1MvHyUic&feature=youtu.be&list=PLp-wXwmbv3z8aAJrhyttiqPMiKy0WVJym

 

Quellen:

(1): http://www.oeko-fair.de/index.php/cat/798/title/Wasserverbrauch

(2) https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/baumwolle/

(3) http://www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/anbau-von-baumwolle.html

(4) http://www.oeko-fair.de/index.php/cat/798/title/Wasserverbrauch

(5) http://www.umweltinstitut.org/fragen-und-antworten/bekleidung/anbau-von-baumwolle.html

(6) http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/kleiden-schmuecken/baumwolle/anbau5/konventioneller-baumwollanbau/der-einsatz-von-pestiziden

(7) https://textileexchange.org/

(8) http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/kleiden-schmuecken/baumwolle/anbau5/konventioneller-baumwollanbau/arbeitsbedingungen

(9) Independent Artikel „The True Cost of Fast Fashion“

(10) https://www.armedangels.de/nothing-to-hide/post/das-problem-mit-konventioneller-baumwolle-und-warum-bio-fairtrade-baumwolle-besser-ist/

(11)  https://utopia.de/ratgeber/bio-baumwolle-wissenswertes/

(12) https://store.textileexchange.org/product/2018-organic-cotton-market-report/

(13) https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/textilproduktion-immer-mehr-haendler-setzen-auf-bio-baumwolle/23823710.html?ticket=ST-4309167-oOBqhHPLGqEUCEsamjDT-ap3

 

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